1. Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde

Der in Deutschland „traditionelle" Schutzhundesport, der neue Begriff lautet Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde, der dem Inhalt gerechter wird, ist für viele Hundehalter ein umstrittenes Thema.
Sie glauben zu wissen, dass hierbei harmlose Hunde „scharf" gemacht werden, also dazu gebracht werden, wahllos oder gar auf Kommando Menschen anzufallen und zu beißen.
Noch schlimmer ist es, dass es auch Hundebesitzer gibt, die gerade, weil sie diese Vorstellung haben, mit ihren Hunden auf den Hundeplatz gehen, da sie glauben, ihre Vierbeiner dort zu Instrumenten ihrer vermeintlichen Macht zu machen um damit ihr Selbstbewusstsein stärken zu können.

Beide Gruppen übersehen dabei, dass es in dieser Disziplin außschließlich um einen sportlichen Charakter handelt, der
1. von den in Deutschland renomierten Hundesportverbänden anerkannt ist.
und
2. einer genauen und detaiert beschriebenen Prüfungsordnung unterliegt.

Bei einer Schutzhundeprüfung wird nicht eine bloße „Beißaktion" bewertet, vielmehr besteht eine solche Prüfung aus drei gleichberechtigten Teilen.
Der Prüfungshund muss seine Fähigkeiten unter Beweis stellen, indem er eine je nach Prüfungsgrad eine Fährte, eine Unterordnung und einen Schutzdienst auszuarbeiten hat.


Die drei unterschiedlichen Prüfungsgrade:

- VPG 1
Vorraussetzung: Eine vom VDH anerkannte BH (Begleithundeprüfung)

- VPG 2
Vorraussetzung: Eine bestandene VPG 1- Prüfung

- VPG 3
Vorraussetzung: Eine bestandene VPG 2- Prüfung

Die Fährte

Bei der Fährte muss der Hund eine vorgelegte Spur eines Menschen Schritt für Schritt verfolgen und dabei fallen gelassene Gegenstände verweisen.
Dabei wird der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Prüfungsstufen immer höher.
Die Länge der Fährte nimmt mit erhöhter Prüfungsstufe zu, der Verlauf der Fährte wird umfangreicher und das Alter der Fährte wird durch eine erhöhte Wartezeit vom Legen bis zum Sucheinsatz verändert.

Die Unterordnung

Bei der Unterordnung werden einzelne technische Aufgaben vom Hund abverlangt, die er mit freudiger und aufmerksamer Richtigkeit so schnell wie möglich bewältigen soll.
Zum Beispiel das apportieren eines Gegenstandes, die Sitz-, Platz- und Stehübungen oder das Führen durch eine, sich bewegende Menschengruppe.
Je nach Leistungsgrad werden die Aufgabenbereiche schwieriger: Zum Beispiel das Apportieren über Hürde und Schrägwand, Platz- und Stehübungen im Laufschritt oder das Fußlaufen ohne Leine.

Der Schutzdienst

Der ausgebildete Schutzhund darf nur auf den Angriff einer Person (Scheintäter bzw Figurant) auf seinen Hundeführer mit Verteidigung reagieren. Er darf selbstständig nur einen schon gestellten Helfer (Scheintäter) an der Flucht hindern.

Im Hundesportbereich wird der Hund auf ein Zielobjekt ( Beißarm/ Beute) fixiert.
Des weiteren muss ein Schutzhund jederzeit auf Kommando bzw. wenn der Scheintäter verharrt, sofort ablassen und ihn bewachen.

Hunde, die dazu nicht in der Lage sind, scheiden zum Bsp. auf Prüfungen sofort aus.

Auf gar keinen Fall handelt es sich hier um die aggressive Abrichtung eines Hundes, welche zum Ziel hat, einen Hund gegenüber einem Menschen oder Tier ein bösartiges Verhalten anzutrainieren.
 

Kontrolle ist das A & O

Merksatz:
Die einzelnen Übungen im Schutzdienst, die Verbell-, Bewachungs- und Transportphasen, sowie das Streifen nach dem Helfer, überprüfen ständig den Gehorsam des Hundes nach den Beißhandlungen, welche ausschließlich am Beißarm(Beuteersatz) gezeigt werden.
Neben dem Kommando „Aus!“ (Ablassen vom Beißarm), muss der Hund während des Schutzdienstes auch das „Hier!“ (Hund löst sich vom Helfer und kommt zum Hundeführer zurück) und das Kommando „Fuß!“ bei den Transportphasen vollkommen fehlerfrei beherrschen.
Und gerade im Hinblick darauf wird klar, warum gute „Sporthunde" eben nicht „scharf" gemacht werden :

Dieses im Schutzhundesport geforderte Bild des drangvoll und freudig nach vorne schießenden Hundes wird in der Ausbildung viel besser über Beutespiele erreicht, als dadurch, den Hund zu Wehr- und Angriffsaktionen zu bringen.